12. Juli 2026
721 Kilometer und unzählige Lacher
– RC Allgäu und Tipsy Traveler meistern das 24-Stunden Rennen in Kelheim als Team

Fotos von Melanie Behr und Markus Lerf
von links: Armin Erhart, Moritz Schneeweiß, Maria Menzinger, Melanie Behr und Markus Lerf
Was haben ein Radclub und eine Cocktailbar gemeinsam? Auf den ersten Blick nicht besonders viel. Auf den zweiten Blick offenbar eine ganze Menge – nämlich Teamgeist, Ausdauer und die Fähigkeit, auch nach vielen Stunden noch ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern.
24 Stunden auf dem Rad – für die meisten klingt das nach einer sehr fragwürdigen Freizeitgestaltung. Für fünf Radsportbegeisterte aus dem Allgäu war es dagegen genau das richtige Abenteuer. Melanie Behr, Armin Erhard und Markus Lerf vom RC Allgäu gingen gemeinsam mit Maria Menzinger und Moritz Schneerweiß von der Tipsy Traveler Cocktailbar aus Pfronten beim 24-Stunden-Rennen in Kelheim an den Start.
Maria und Moritz sorgen normalerweise dafür, dass die Gäste im Tipsy Traveler mit Cocktails bestens versorgt werden – an diesem Wochenende standen statt bunter Drinks allerdings isotonische Getränke auf dem Plan. Rekrutiert wurden die beiden von Sonja, die mit Sissy und Barbara für den besten Support im ganzen Fahrerlager sorgte.
Mit rund 1.200 Starterinnen und Startern war das 24-Stunden-Rennen in Kelheim komplett ausgebucht. Die 17 Kilometer lange Runde mit ihren 170 Höhenmetern musste innerhalb von 24 Stunden möglichst oft absolviert werden. Eine Besonderheit der Strecke: Jede Runde führte direkt durch das Bierzelt auf dem Kelheimer Marktplatz. Während links und rechts die Maßkrüge gehoben wurden, ging es für die Fahrerinnen und Fahrer weiter den nächsten 170 Höhenmetern entgegen. Spätestens am Nachmittag kam da durchaus die Frage auf, ob man sich für das richtige Hobby entschieden hatte.
Das Ziel war von Anfang an klar: gemeinsam ankommen, Spaß haben und schauen, was in 24 Stunden so alles möglich ist. Dass am Ende stolze 44 Runden und beeindruckende 721 Kilometer auf dem Tacho standen, übertraf dennoch die eigenen Erwartungen. Das Rennen hatte alles zu bieten, was ein echtes 24-Stunden-Abenteuer ausmacht: sengende Hitze am Tag, müde Beine, kleine Augen, kurze Powernaps und die immer gleiche Frage beim Fahrerwechsel: „Halten die Beine nochmal eine Runde durch?“ Von der erhofften angenehm kühlen Nachtluft konnte jedenfalls keine Rede sein – sie blieb während des gesamten Rennens nichts weiter als ein schöner Traum.
Während andere Teams um jede Sekunde kämpften, stand für die fünf Starter vor allem das gemeinsame Erlebnis im Vordergrund. Angefeuert wurde bei jedem Wechsel, gelacht wurde auch dann noch, wenn die Beine längst anderer Meinung waren. Spätestens in den frühen Morgenstunden wurde klar: Die größte Konkurrenz war nicht das andere Team, sondern das gemütliche Feldbett im Fahrerlager.
Nach 24 Stunden rollte das Team zwar mit schweren Beinen, aber um viele Erfahrungen und unzählige schöne Erinnerungen reicher über die Ziellinie. Der Applaus bei der Zieleinfahrt für Schlussfahrerin Maria fühlte sich dabei fast genauso gut an wie die Aussicht auf eine ausgiebige Dusche und eine Mütze Schlaf.
Am Ende blieb die Erkenntnis: „721 Kilometer und 7.480 Höhenmeter sind nicht nur eine beeindruckende sportliche Leistung, sondern auch eine ziemliche Quälerei. Das Ergebnis kann sich sehen lassen – noch schöner war allerdings der Weg dorthin und vielleicht steht beim nächsten Mal nach dem Zieleinlauf ja tatsächlich ein Cocktail bereit – verdient wäre er allemal."
